Jupiter - Rat und Tat

JUPITER Wirtschaftstreuhand GmbH, Buchprüfungs- & Steuerberatungsgesellschaft

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Klienten-Journal:

Rat & Tat - Klienten-Info / Ausgabe 2/2017

Juni 2017

Beschäftigungsbonus + Wiedereinstiegsteilzeit + Lockerung Kündigungsschutz 50+
Sinnvoll für Arbeitsmarkt & Wirtschaft!

Juni 2017 / Endlich einmal drei sinnvolle Maßnahmen, die dem Arbeitsmarkt gleichermaßen nutzen wie den Unternehmen. Übertriebener Arbeitnehmerschutz und Überregulierungswahn haben oft das Gegenteil von dem bewirkt, wofür sieeigentlich gedacht waren. Durch den verstärkten Kündigungsschutz ab 50 wurden potenzielle Mitarbeiter, die sich dem 50er näherten, erst gar nicht eingestellt.


Auch nach längerer Krankheit war es bisher nicht möglich, dass ein Mitarbeiter wieder „langsam“ zurückkommt. Das Ergebnis war kontraproduktiv: Entweder der Mitarbeiter begann erst wieder zu arbeiten, wenn er vollkommen fit war (verlängerter Krankenstand), oder er kam zu früh zurück (eventuell Rückfall, weil noch nicht voll einsatzfähig), oder er blieb im Krankenstand und ging unabgemeldet (und unversichert) ein paar Stunden in die Firma – wenn da zufällig die schnelle Einsatztruppe vorbeischaut ...
Der Beschäftigungsbonus dreht an einer der belastendsten Schrauben: den Lohnnebenkosten. Endlich!

Beschäftigungsbonus
Die Politik hat es vollmundig angekündigt – jetzt wird es hoffentlich bald Realität, auch wenn die dazugehörigen Richtlinien noch fehlen!
Es wird der sogenannte Beschäftigungsbonus eingeführt. Dadurch sollen bis zu drei Jahre lang 50 % der Lohnnebenkosten (Dienstgeberbeiträge) für zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse gefördert werden. Unter zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen versteht man, dass der Beschäftigungsstand zum Zeitpunkt der Antragstellung zumindest um eine Person (Vollzeitäquivalent) höher ist als vor zwölf Monaten.
Ab Juli 2017 kann innerhalb von 30 Tagen nach der Sozialversicherungsanmeldung des zusätzlichen Beschäftigten der Antrag bei der Förderbank aws gestellt werden. Die Auszahlung erfolgt ein Jahr im Nachhinein.
Gefördert werden beim AMS als arbeitslos gemeldete Personen, Schul- oder Uniabsolventen sowie Jobwechsler, die in den letzten zwölf Monaten mindestens vier Monate in Österreich beschäftigt waren.
Bis 2023 stellt die Regierung dafür zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Wenn der Topf leer ist, geht man leer aus.
Es heißt also schnell zu sein!

Kündigungsschutz für neu eingestellte Mitarbeiter 50+ gelockert
Kündigungen können dann angefochten werden, wenn sie sozial ungerechtfertigt sind. Eine wesentliche Rolle spielte bisher das Alter. Ein höheres Lebensalter kann zu Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche und somit bei der Wiedereingliederung führen. Daher waren Anfechtungen der Kündigung von Seiten des Arbeitnehmers gesehen oft erfolgreich.
Das hat aber wohl dazu geführt, dass viele Unternehmer Bewerber dieser Generation nicht mehr eingestellt haben.
Daher kam es zu einer Gesetzesänderung. Für Arbeitnehmer, die ab dem 1.7.2017 eingestellt werden und dabei bereits 50 Jahre oder älter sind, spielt das Lebensalter bei der Beurteilung der Sozialwidrigkeit keine Rolle mehr.

Wiedereingliederungsteilzeit
– möglich ab 01.07.2017

Die Wiedereingliederungsteilzeit dient der Erleichterung der Wiedereingliederung eines Dienstnehmers nach langer Krankheit (= Krankenstand von mindestens sechs Wochen). Dabei soll diesem für die Dauer von mindestens einem bis zu sechs Monaten die Möglichkeit eröffnet werden, sich Schritt für Schritt wieder in den Arbeitsprozess einzufügen. (Hinweis: Falls medizinisch notwendig, ist eine einmalige Verlängerung zulässig, wobei das Gesamtausmaß der Teilzeit neun Monate nicht übersteigen darf.)
Grundlage der Wiedereingliederungsteilzeit ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer über eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit (zwi- schen 25 bis maximal 50%, mindestens jedoch zwölf Wochenstunden) nach erfolgter Beratung der beiden Vertragsparteien durch fit2work (eine Plattform des Sozialministeriums, www.fit2work). Diese hat Beginn, Dauer, Ausmaß und Lage der Beschäftigung zu enthalten; es besteht also kein Rechtsanspruch des Dienstnehmers auf eine Teilzeitvereinbarung, und das Dienstverhältnis ändert sich inhaltlich/rechtlich nicht.

Vorteile: Der Dienstnehmer hat die Möglichkeit, langsam wieder in seine Tätigkeit hineinzuwachsen. Er erhält vom Arbeitgeber das Entgelt gemäß seiner geleisteten Stunden, daneben Wiedereingliederungsgeld von der GKK. Der Dienstgeber zahlt das Entgelt und die Lohnabgaben für die tatsächlich geleisteten Stunden und hat die Möglichkeit, dass der Dienstnehmer wahrscheinlich früher an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, als es ihm bei voller Arbeitsbelastung möglich wäre.

Achtung: Gefahr in Verzug?!

Juni 2017 / Achtung: Die Finanz untersucht Zuflussmeldungen der Banken – 2015 wurde ein Gesetz beschlossen, das österreichische Banken verpflichtet, Meldungen über bestimmte Kapitalzuflüsse aus der Schweiz und Liechtenstein auf österreichische Konten an die Finanzbehörde zu melden.



Laut Finanzminister Schelling werden diese Daten gerade analysiert – sollten Sie in dem Zusammenhang eine Selbstanzeige wegen einer möglichen Abgabenverkürzung planen, sollte man rasch handeln, da eine strafbefreiende Selbstanzeige nur bis zur Aufnahme konkreter Ermittlungshandlungen durch die Finanz möglich ist.

Zuordnung zur Sozialversicherung mit Bindungswirkung
Endlich Klarheit im vorhinein?

Juni 2017 / Im Rahmen der „Gemeinsamen Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben“ (GPLA) kommt es öfters vor, dass ein Selbstständiger von der prüfenden Behörde als Dienstnehmer eingestuft wird, mit all den damit zusammenhängenden Konsequenzen und Kosten. Um solche nachträglichen Umqualifizierungen,

die existenzbedrohend sein können, zu vermeiden oder abzufedern, soll das Sozialversicherungs-Zuordnungsgesetz mehr Rechtssicherheit bei der Abgrenzung von selbstständiger Erwerbstätigkeit und Dienstnehmereigenschaft bringen.

Derzeit besteht jedoch nur eine Regierungsvorlage, die Gesetzwerdung bleibt also noch abzuwarten. Das Inkrafttreten wäre mit 1.7.2017 geplant, aber aufgrund der Turbulenzen in der Regierung ist es fraglich, ob dieses Gesetz noch beschlossen wird.

Die Zuordnung zur Sozialversicherung erfolgt entweder im Rahmen einer GPLA, bei Neuaufnahme bestimmter selbstständiger Erwerbstätigkeiten (Vorabprüfung) oder auf Antrag des Versicherten oder des Auftraggebers. Die Zuordnung zu einer Versicherung wird mit Bescheid ausgesprochen und diese ist für die Sozialversicherungsträger und das Finanzamt bindend. Keine Bindungswirkung besteht hingegen, wenn vom Versicherten falsche Angaben gemacht wurden oder wenn sich der maßgebliche Sachverhalt geändert hat.

Wird die (rückwirkende) Zuordnung zur Sozialversicherung erst bei einer GPLA durchgeführt, weil es in diesem Fall noch keine bescheidmäßig festgestellte Zuordnung gibt, dann hindert das die Umqualifizierung nicht, die Bindungswirkung besteht erst für die Zukunft. Im Zuge dieser Umqualifizierung hat die SVA (Selbständige) bzw. SVB (Bauern) aber die an sie zu Unrecht geleisteten Beiträge an die GKK (Unselbständige) zu überweisen und diese hat die Beiträge anzurechnen.

Wenn man sich diese neuen Regelungen durchliest hat man den Eindruck, dass die GKK (weiterhin) auf dem längeren Ast sitzen dürfte.

Forschungsprämie

Juni 2017 / Für Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung kann eine Forschungsprämie in Höhe von 12% der Forschungsaufwendungen beansprucht werden (für Forschungsaufwendungen vor dem 01.01.2016 waren es 10%).

Erfreulicherweise wird diese Prämie ab 01.01.2018 auf 14% erhöht. Die Prämie selbst ist außerdem keine steuerpflichtige Einnahme.

Parken in Wien wieder (ein bisschen) leichter!

Juni 2017 / Die WKW hat für ihre Mitglieder mit der Verkehrsstadträtin folgende Verbesserungen erreicht:

Die Nachweis- und Dokumentationspflicht für die Erlangung einer Parkkarte (Parkkleber für Unternehmer) wurde wesentlich vereinfacht und kann jetzt auch online gestellt werden. Alle dafür geeignete Kfz können nun Ausnahmebewilligungen erhalten (diese lauten nur mehr auf das pol. Kennzeichen).

Die Anwohnerparkzonen werden zwischen 8 und 16 Uhr für alle Verkehrsteilnehmer geöffnet. Das erleichtert nicht nur den Lieferbetrieb sondern gibt vielen Geschäften wieder Kunden zurück, die bisher in die Shoppingcenter in und rund um Wien ausgewichen sind.


Die richtige Einstufung in den Kollektivvertrag
Wichtig – kann teuer werden!

Juni 2017 / Wird ein Arbeitnehmer nicht richtig eingestuft (Beschäftigungsgruppe, Berufsjahre) droht zweierlei Ungemach:


  • Es kann zu einer Unterentlohnung im Sinne des LSDB-G und damit zu hohen Strafen kommen.
  • Der Dienstnehmer kann (via Arbeiterkammer) den vorenthaltenen Lohn nachfordern.


Leider ist die Sache auch nicht so einfach, weil dies in jedem Kollektivvertrag – und meist auch unterschiedlich für Arbeiter und Angestellte – geregelt ist. Der erste Schritt ist also sich in den richtigen Kollektivvertrag einzulesen.

Dabei wird es u.a. um folgende Fragen gehen:


  • Die passende Beschäftigungs-(Verwendungs-)gruppe ergibt sich in der Regel aus der Art der Tätigkeit und der Vor- bzw. Ausbildung.
  • Hinsichtlich der Berufsjahre kommen die verschiedensten Regelungen zur Anwendung, z.B.
    • die Betriebszugehörigkeit (meist bei Arbeitern),
    • die Praxisjahre (alle Zeiten, in denen der Dienstnehmer gearbeitet hat),
    • die Anzahl der Verwendungsgruppenjahre.


Manchmal sind auch nur die Praxisjahre (im selben Betrieb oder auch in anderen Betrieben = Fremdzeiten) anzurechnen, oder sind auch diesbezügliche Obergrenzen vorgesehen. Ebenso unterschiedlich wird die Anrechnung von Schulzeiten behandelt. Vergleichbare Dienstzeiten im EU- bzw. EWR-Raum sind inländischen gleichzusetzen.

Achtung 1:

Nur bei ausdrücklicher Befragung des Mitarbeiters durch den Arbeitgeber (schriftliche Dokumentation!) tritt die diesbezügliche kollektivvertragliche Verfallfrist ein! Der Arbeitgeber kann (und sollte) auch Nachweise (z.B. Dienstzeugnisse) hinsichtlich der Vordienstzeiten verlangen, grundsätzlich wären aber die Angaben im Lebenslauf ausreichend. Jedenfalls aber sollte der Arbeitnehmer die richtige Einstufung (z.B. Unterschrift auf Dienstzettel) bestätigen!

Achtung 2:

Es muss diesbezüglich immer darauf hingewiesen werden, dass sich die Anrechnung NUR auf die kollektivvertragliche Einstufung bezieht. Findige Arbeitnehmer (oder Arbeiterkämmerer) könnten sonst auf die Idee kommen, dass die angerechneten Vordienstzeiten auch für andere dienstzeitabhängige Ansprüche wie Urlaub, Abfertigung, Kündigungsfristen, Entgeltbestimmungen bei langer Krankheit, etc. gelten!

Einkommensteuer Verkauf Eigenheim

Juni 2017 / Seit 2012 sind ja bekanntlich auch private Grundstücksveräußerungen steuerpflichtig (ImmoESt), seit 2016 beträgt der diesbezügliche besondere Steuersatz 30%.



Der Verkauf des eigenen Hauptwohnsitzes ist – bei Erfüllung aller diesbezüglichen Voraussetzungen – von der Besteuerung ausgenommen, „samt Grund und Boden“.

In einem jüngsten Erkenntnis hat der VwGH nun entschieden, dass die Befreiung nur das Eigenheim selbst und eine Grundstücksfläche, die einem üblichen Bauplatz entspricht, umfasst.
In dem Fall ging es – wieder einmal ein „Ausreißerfall“ – um ein Grundstück im Ausmaß von 3.646m², davon 317m² verbaut. Das Finanzamt hat ursprünglich nur 1000m² befreit, das Bundesfinanzgericht in zweiter Instanz das ganze Grundstück steuerfrei belassen.

Die faktisch relevante Grenze (zumindest in erster Instanz) werden künftig wohl die in den Einkommensteuerrichtlinien genannten 1.000m² sein. Ungeklärt bleiben wohl Sonderfälle (Ortsüblichkeit ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich!) und auch, wie allenfalls wieder höhere Instanzen entscheiden werden.

Steuerfreiheit von Trinkgeldern

Juni 2017 / Trinkgelder (in manchen Branchen ja durchaus eine wesentliche Lohnaufbesserung) sind steuerfrei (NUR für Arbeitnehmer! – für den Unternehmer immer Betriebseinnahme), wenn sie

  • einem Arbeitnehmer (für seine Arbeitsleistung) von dritter Seite zugewendet werden,
  • freiwillig ohne Rechtsanspruch,
  • und ortsüblich (= branchenbezogen und angemessen) sind.



Nicht schädlich ist es, wenn das Trinkgeld vorerst von anderen Arbeitnehmern (z.B. Zahlkellner) oder auch vom Unternehmer selbst (z.B. Kartenzahlung) entgegengenommen und dann weitergeleitet wird.

Achtung: Ist die Annahme von Trinkgeldern gesetzlich oder kollektivvertraglich verboten bzw. untersagt, ist die Steuerfreiheit auch dahin (zusätzlich zur Strafandrohung, z.B.
Bestechungs- oder Schmiergelder). Bei innerbetrieblichem oder einzelvertraglichem Verbot bleibt es zwar steuerfrei, wohl liegt aber eine Dienstpflichtverletzung vor.

Aus der Praxis:
Achtung:
Dokumentation bezüglich Dienstnehmer!

Juni 2017 / Immer öfters wenden sich ehemalige Dienstnehmer an die Arbeiterkammer um noch etwas „herauszuholen“. Um ungerechtfertigten Ansprüchen vorzubeugen ist eine entsprechende Dokumentation erforderlich, im Zweifel (Aussage gegen Aussage) wird meist für den Dienstnehmer entschieden, oder man gibt klein bei um einen

aufwändigen Prozess hintanzuhalten. Und über allem droht das LSDB-G, aber auch anlassbezogene GPLAs.

Insbesondere müssen u.a.

  • Vereinbarungen über die einvernehmliche Beendigung des Dienstverhältnisses von beiden Seiten unterschrieben werden.
  • Arbeits- und Urlaubsaufzeichnungen auch vom Dienstnehmer unterschrieben werden.
  • natürlich vom Dienstnehmer unterschriebene Auszahlungsbelege betreffend bare Lohnauszahlungen oder allfällige Vorschüsse, Darlehen, etc. vorliegen.


Außerdem empfiehlt es sich,

  • Krankmeldungen vom ersten Tag an zu verlangen.
  • die kollektivvertraglich richtige Einstufung vom Dienstnehmer schriftlich bestätigen zu lassen.

Rat & Tat - Klienten-Info / Ausgabe 1/2017

März 2017

Unterschriften, Vollmacht & Co
Welchen Unterschied machen i.A., i.V. oder ppa.?

März 2017 / Ab welcher Firmengröße sind Unterschriftsberechtigung und /oder Vollmachten überhaupt ein Thema? Eigentlich brauchen jetzt nur EPUs nicht weiterzulesen

- hier stellt sich die Frage sicher nicht. Aber schon ein Mitarbeiter kann mangels klarer Regelung Schaden anrichten, für den Sie als Unternehmer haften.

Wenn man in ein Geschäft geht um ein Buch zu erwerben, kann man von einer "Ladenvollmacht" ausgehen, das heißt, der Verkäufer ist berechtigt mit mir das Rechtsgeschäft "Buchkauf" abzuschließen. Es gibt aber Branchen, bei denen der Kundenberater nur beraten darf und das Geschäft von einem Berechtigten abgeschlossen wird.

Bei der "Duldungsvollmacht" kommt ein Vertrag trotz mangelnder Vollmacht zustande, wenn der Geschäftsherr das Geschäft nachträglich genehmigt oder sich den Vorteil aus diesem Vertrag zuwendet.

Mit der "Ladenvollmacht" ist die "Anscheinvollmacht" verwandt, die in der Praxis eine große Bedeutung hat: Nämlich wenn der Geschäftsherr durch sein Verhalten bei Vertragspartnern den Anschein erweckt, dass der Vertreter eine entsprechende Vollmacht besitzt. Das geschieht schon durch Überlassung von Firmenpapier oder Ähnlichem!

Daher sollten auch schon in kleineren Firmen klare Richtlinien geschaffen werden, wer was nach außen rechtswirksam entscheiden darf.

Die uns allen bekannten Zusätze "i.A." (im Auftrag) für geringere Befugnisse und "i.V." (in Vertretung) für mehr Befugnisse signalisieren dem Empfänger, dass er mit einer berechtigten Person zu tun hat.

Die Prokura ist eine umfassende gesetzliche kaufmännische Vollmacht mit gesetzlich fixiertem Umfang. Ein Prokurist darf alles, was der Betrieb irgendeines Unternehmens mit sich bringt. Er darf nur bestimmte Dinge nicht wie z.B. das Unternehmen einstellen oder veräußern, Grundstücke veräußern oder belasten und einiges mehr. Der gesetzliche Umfang der Prokura kann Dritten gegenüber nicht eingeschränkt werden. Eventuelle Einschränkungen gelten nur im Innenverhältnis.

Der Prokurist hat die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns anzuwenden und haftet je nach dem Verschuldungsgrad (siehe unten). Eine Haftung für automatische Abgaben wie USt und Krankenkassenbeiträge trifft ihn zum Unterschied vom handelsrechtlichen Geschäftsführer nicht.

Dienstnehmer, die im Namen des Unternehmens Verträge abschließen (auch der Einkauf eines simplen Druckers oder von Putzmitteln ist ein solcher), haften nach dem Dienstnehmerhaftpflichtgesetz (DHG). Je nach dem Verschuldensgrad

  • Vorsatz
  • Grobe Fahrlässigkeit
  • Leichte Fahrlässigkeit
  • Entschuldbare Fehlleistung

kann es zu Ersatzpflichten des Dienstnehmers kommen.

Besser ist es aber allemal im Vorhinein für Klarheit zu sorgen und so erst gar keine Schäden entstehen zu lassen!

Registrierkasse: Achtung 1.4.2017
Sicherheits-Signatur muss bei FinanzOnline angemeldet sein!

März 2017 / Für Säumige können Strafen von bis zu € 5.000,- verhängt werden! Wegen der Überlastung der Lieferanten sind unter folgenden Bedingungen Ausnahmen von der Bestrafung möglich:


  • Sie müssen eine Registrierkasse bereits im Einsatz haben, die der Kassenrichtlinie entspricht und mit dieser die Einzelaufzeichnungspflicht und Belegerteilungspflicht erfüllen,
  • Sie müssen schon derzeit lückenlos Belege über alle Barumsätze erteilen,
  • Sie müssen nachweisen, dass Sie die Sicherheits-Signatur vor Mitte März 2017 bestellt haben.


Dennoch sollten Sie dahinter sein den Termin zu schaffen, Sie verlieren nämlich sonst in jedem Fall die Begünstigungen (vorzeitige Abschreibung der Anschaffungskosten bis € 2.000,- und Anschaffungsprämie von € 200,-)!

Procedere:


  1. Beschaffung Signaturkarte (A-Trust, Globaltrust)
  2. Initialisierung der Kasse (Unterstützung durch Registrierkassen-Lieferanten)
  3. Erstellung Startbeleg
  4. Anmeldung über FinanzOnline
  5. Prüfung des Startbelegs mit der BMF-App (von BMF-Homepage downloadbar)


Bei Bedarf helfen wir gerne!

Kinderbetreuungsgeld neu ab 1.3. 2017!
Total flexibel – aber einfacher?

März 2017 / Der 1. März 2017 ist der Stichtag, ab dem das neue Kinderbetreuungsgeldgesetz in Kraft tritt. Jedes Neugeborene erhält ein Kinderbetreuungsgeld-Konto (KBG-Konto). Alle davor Geborenen bleiben verpflichtend im alten System mit den vier Pauschalvarianten. Neu sind nun zwei Grundvarianten:



Entweder bezieht nur ein Elternteil Kinderbetreuungsgeld oder beide. Beide Varianten sind, was die Dauer des Bezuges betrifft, innerhalb von Ober- und Untergrenzen flexibel.

Im ersten Fall sind dies 365 Tage à 33,88 (12 Monate à ca. 1.000,- €) bis maximal 851 Tage à 14,53 (28 Monate à 436,- €) und im zweiten Fall 456 Tage (ca. 15 Monate) bis maximal 1.063 Tage (ca. 35 Monate) bei gleichen Tages- bzw. Monatssätzen. Je kürzer die Bezugsdauer desto höher der Tagesbetrag, die Gesamtsumme bleibt aber immer gleich. Die maximale Summe beträgt 12.366,20 € bei Inanspruchnahme durch nur einen Elternteil und 15.499,- € im Falle beiderseitigen Bezuges.

Neu ist die Möglichkeit des gleichzeitigen Bezugs durch beide Elternteile für die Dauer von bis zu 31 Tagen anlässlich des erstmaligen Wechsels, wobei sich die Gesamtanspruchsdauer um diese Tage reduziert. Die Zuverdienstgrenze liegt bei 6.800,- € pro Kalenderjahr.

Partnerschaftsbonus 500,- €: Beziehen die Eltern gleich lang oder zumindest im Verhältnis 40:60 das Kinderbetreuungsgeld kann dieser zusätzlich zum Kinderbetreuungsgeld beantragt werden. Die Bezugsdauer jedes Elternteils muss mindestens 124 Tage betragen.

Familienzeitbonus: Neu ist auch dieser – geschaffen für Väter, die gleich nach der Geburt oder zeitnah (bis maximal 91 Tage nach der Geburt) die Zeit ausschließlich mit der Familie verbringen wollen. Im Einvernehmen mit dem Dienstgeber ist eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit (Kranken- und Pensionsversicherung bleiben aufrecht) von zusammenhängend 28 bis 31 Tage möglich. Für diese Zeit wird der Familienzeitbonus in der Höhe von 22,60 € pro Tag ausbezahlt, allerdings erfolgt eine Anrechnung, wenn der Vater später ein Kinderbetreuungsgeld bezieht.

Ungeachtet der o.a. gravierenden Änderungen bleibt das einkommensabhängige Kindergeld bestehen, wird aber auf Tage umgestellt. Bei Bezug durch einen Elternteil 365 Tage bzw. 426 Tage bei beiden Eltern beträgt es 80% des (fiktiven) Wochengeldes, maximal aber 2.000,- € pro Monat.

Auf der Homepage des Familienministeriums soll „rechtzeitig“ ein aktualisierter Kindergeld-Rechner online stehen.

Babysitter oder Oma – Verschärfung für Absetzbarkeit

März 2017 / Seit 2009 sind Kinderbetreuungskosten in der Steuererklärung bis 2.300,- € p.a. für Kinder bis zehn Jahre absetzbar. Voraussetzung war schon immer, dass es sich um eine qualifizierte Betreuungsperson handeln muss.



Bis Ende 2016 genügte der Nachweis, dass diese zumindest eine achtstündige Schulung absolviert hat, unter 21-jährige mussten 16 Stunden nachweisen.

Nach einem Urteil vom Verwaltungsgericht aus 2015 wurde das Gesetz im Dezember des Vorjahres dahingehend verändert, dass ausnahmslos – wer auch immer aufpasst – 35 Ausbildungsstunden nachzuweisen sind, damit man dessen Kosten absetzen kann.

Das Gesetz gilt per 1. Jänner 2017. Für alle, die es betrifft: Die Ausbildung darf bis Jahresende nachgeholt werden.

Verlustabzug (Verlustvortrag nutzen)

März 2017 / Unter Verlustabzug versteht man die „Gegenverrechnung“ eines laufenden Gewinnes mit Verlusten aus Vorperioden. Da sich die diesbezüglichen Bestimmungen (wie so viele) in den letzten Jahren mehrfach geändert haben hier eine kurze Zusammenfassung:



Bei Kapitalgesellschaften:

  • zeitlich unbegrenzt, maximal in Höhe von 75% des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften und Bilanzierung: zeitlich unbegrenzt, in Höhe des Gesamtbetrages der Einkünfte.


Diese scheinbare Bevorzugung ist eigentlich nachteilig, weil damit u.U. die „steuerfreien“ Einkünfte bis € 11.000,- „aufgefressen“ werden.

Bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern:

ab der Veranlagung 2016 (davor sehr unterschiedliche, immer wieder geänderte Bestimmungen) zeitlich unbegrenzt in Höhe des Gesamtbetrages der Einkünfte, allerdings nur für ab 2013 entstandene Verluste oder bis 2006 nicht verwertete Anlaufverluste.
Der Verlustabzug setzt eine ordnungsgemäße Ermittlung desselben voraus, dann ist er aber zwingend (und eigentlich amtlich) vorzunehmen.

Wie immer gibt es aber noch (alte wie neue) Spezialbestimmungen zu beachten.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
Änderung der Abschreibung ab 2016!

März 2017 / Wie Sie wissen wurde im Zuge der Steuerreform der Einkommensteuertarif etwas abgesenkt. Dieser Steuerausfall wurde jedoch durch verschiedene Maßnahmen gegenfinanziert.


Eine davon betrifft die Einkünfte aus Vermietung, wer solche Einkünfte bezieht ist auch betroffen.
Bisher galt bei der Anschaffung von Gebäuden, die der Vermietung dienen, eine Faustregel für die Aufteilung von Grundstück und Gebäude von 20 : 80.
Beispiel: Anschaffungskosten € 1.000.000,-.
20% Grundstück, d.s. € 200.000,-: davon keine Abschreibung weil das Grundstück keiner Wertminderung unterliegt.

80%, d.s. € 800.000,-, entfallen auf den Gebäudewert, den man i.d.R. mit 1,5% abschreibt. Die Abschreibung macht also darauf jährlich € 12.000,- aus.

Ab 2016 erhöht sich nun der Grundanteil auch bei „alten“ Vermietungen auf 40%!
Damit verringert sich der Gebäudewert auf 60% und es sinkt die Abschreibung. In unserem Beispiel beträgt dann der Gebäudewert € 600.000,-. Davon 1,5% sind € 9.000,-. Die Abschreibung ist also um € 3.000,- geringer, was im schlimmsten Fall € 1.500,- mehr Steuer bedeutet und das Jahr für Jahr, also womöglich für einen langen Zeitraum.

Mit einer Verordnung wurden aber Ausnahmen geschaffen:

  • 20% Grundanteil weiterhin
    • in Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohner,
    • wenn der durchschnittliche Quadratmeterpreis für voll aufgeschlossenes Bauland weniger als € 400,- beträgt.

  • 30% Grundanteil
    • in Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern und Baulandpreisen von durchschnittlich mehr als € 400,- wenn das Gebäude mehr als 10 Wohn- oder Geschäftseinheiten umfasst.

  • 40% Grundanteil
    • in Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern und Baulandpreisen von durchschnittlich höher als € 400,- wenn das Gebäude weniger als 10 Wohn- oder Geschäftseinheiten umfasst.


Wir werden daher in der Steuererklärung 2016 für Sie diese Umrechnungen vornehmen und damit der neuen Gesetzeslage Genüge tun.

Ausdrücklich möchten wir Sie darauf hinweisen, dass es die Möglichkeit gibt, abweichende Grundanteile festzulegen, wenn das mittels Gutachten z.B. eines Sachverständigen oder einer Bank nachgewiesen wird. Die Abweichung muss aber erheblich sein, also beispielsweise bei 30% Regelgrundanteil und in Ihrem Fall nur 15%. Noch dazu gelten die Verhältnisse zum Zeitpunkt der Anschaffung.

Falls Sie der Meinung sind, dass für Ihr Mietobjekt solche Ausnahmen bestehen, sprechen Sie sich bitte mit uns wegen der weiteren Vorgangsweise ab.

Änderung bei Jahresabschluss von Kapitalgesellschaften

März 2017 / Für alle Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften, deren Geschäftsjahr nach dem 31. Dezember 2015 beginnt, ist das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz (RÄG) 2014 anzuwenden.



Neben einigen neuen Definitionen und neuen Bilanzierungsgrundsätzen sind auch die Grenzwerte der Größenklassen valorisiert und eine neue Größenklasse geschaffen worden: Für Kleinstkapitalgesellschaften („Micros“) gelten folgende Grenzen:

  • bis € 350.000,- Bilanzsumme,
  • bis € 700.000,- Umsatzerlöse
  • maximal 10 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt.


Formelle Änderungen betreffen u.a.

  • den Ausweis des Eigenkapitals,
  • den Entfall (und die Umbuchung) der unversteuerten Rücklagen. Diesbezüglich ist sogar noch ein Eingriff ins Vorjahr nötig!
  • den Entfall des außerordentlichen Ergebnisses,
  • die Erweiterung der „Davon-Angaben“ in der Bilanz,
  • die Neudefinition (Erweiterung) der Umsatzerlöse.


In materieller Hinsicht sind insbesondere folgende Änderungen zu erwähnen:

  • Bilanzierung latenter Steuern
  • Zuschreibungspflicht (inkl. Nachholung unterlassener Zuschreibungen)
  • Bewertung von Vorräten (Herstellungskosten) und Firmenwert
  • Pflichtansatz Disagio
  • Abzinsung langfristiger Rückstellungen.


Schließlich sind der Anlagenspiegel und der Anhang (dieser kann bei Micros entfallen) neu zu konzipieren.

Obige Vorschriften sind Unternehmensrecht, aber auch steuerlich gibt es natürlich wieder viele Änderungen zu beachten. Völliges Neuland stellt dabei die sogenannte „Innenfinanzierung“ dar. Diese ist aus dem unternehmensrechtlichen Jahresabschluss abzuleiten und ist für die steuerrechtliche Beurteilung, ob eine Gewinnausschüttung steuerlich auch als solche oder als Einlagenrückzahlung (Beteiligungsveräußerung) anzusehen ist, relevant. Dabei kann (muss) u.U. weit in die Vergangenheit zurück geblickt werden. Näheres ist in einer eigenen Verordnung festgelegt.

Neue Förderungen für E-Mobilität ab März

März 2017 / 72 Millionen Euro stehen im Rahmen des E-Mobilitätspakets bereit, um den Kauf von Elektroautos, E-Zweirädern und E-Nutzfahrzeugen sowie den Erwerb von privaten Ladestationen und den Ausbau öffentlicher E-Tankstellen zu fördern. Diese werden vom Verkehrsministerium, vom Umweltministerium und den Automobilimporteuren zu gleichen Teilen aufgebracht.



Für die Neuanschaffung eines E-Pkws bekommt man als Unternehmer 3.000,- €, als Privater 4.000,- €, für Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge in beiden Fällen 1.500,- €. Beantragt kann die Förderung ab 1. März 2017 online unter www.umweltfoerderung.at werden. Gefördert werden nur Neuwagen bis zu einem Nettolistenpreis von max. 50.000,- € (mit dem Tesla wird es also wieder nichts!) und die Fahrzeuge müssen ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Für Zweiräder bekommt man gerade einmal 375,- €, für Kleinbusse und Nutzfahrzeuge bis 5 Tonnen dafür bis zu 20.000,- €.

Auch die Anschaffung von Ladestationen, sogenannte Wallboxes mit bis zu 22kW Leistung, wird mit 200,- € unterstützt.

Erben & Schenken neu
EU-Erbrechtsverordnung

März 2017 / Seit 17. August 2015 gilt bereits die EU-Erbrechtsverordnung. Diese regelt, welches Erbrecht bei internationalen Erbfällen anzuwenden ist. Sie findet in allen EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Dänemark, Irland und Großbritannien Anwendung.



Nach der EU-Erbrechtsverordnung sind die Zuständigkeit der Gerichte und die anzuwendende Rechtsordnung am Aufenthalt der Person zum Zeitpunkt des Todes anzupassen. Lebt und verstirbt beispielsweise ein österreichischer Staatsbürger in Ungarn, ist grundsätzlich ein ungarisches Gericht für die Verlassenschaft zuständig und wendet ungarisches Recht an. Es sei denn die „Rechtswahl“ wurde ausdrücklich im Testament bestimmt. Hat man also bereits ein Testament verfasst und bei einem Notar oder Rechtsanwalt hinterlegt ist zu prüfen, ob sich die Rechtswahlklausel in der letztwilligen Verfügung befindet – dies jedoch nur dann, wenn man tatsächlich einen zweiten Wohnsitz in der EU hat, sei es vorübergehend aus beruflichen Umständen oder vorhat dort seinen Lebensabend zu verbringen.

Erbrecht neu

Seit 1. Jänner 2017 gilt das neue Erbrecht. Hier die wesentlichen Änderungen:

Pflichtteil der Eltern entfällt

Für viele die wichtigste Änderung betrifft den Pflichtteil eines Erbes. Das gesetzliche Erbrecht, das immer dann zum Zug kommt, wenn kein Testament errichtet worden ist, stärkt seit 1. Jänner 2017 Ehepartner und eingetragene Partner. Er oder sie soll neben den Großeltern und Geschwistern alles erben. Außerdem ist der Pflichtteilsanspruch der Eltern entfallen. Dieser bestand bis dahin jedoch nur dann, wenn der oder die Verstorbene keine Nachkommen hatte und ein Testament zugunsten einer anderen Person errichtet wurde. Die Anwendungsfälle in der Praxis waren davor schon eher selten.

Künftig haben also nur noch die Nachkommen, eingetragene Partner und Ehepartner eines Verstorbenen Anspruch auf einen Pflichtteil, der bei Errichtung eines Testaments zugunsten anderer Personen relevant ist.

Sollte der Fall eintreten, dass die verstorbene Person unverheiratet und kinderlos war, keine Lebensgefährtin oder keinen Lebensgefährten zurückgelassen hat und auch über kein Testament verfügte, erben – wie bisher – die Angehörigen der zweiten Parentel, also Eltern und deren Nachkommen bzw. die Blutsverwandten der dritten Parentel, das sind die Großeltern bzw. deren Nachkommen.

Bisher konnte der Pflichtteil lediglich bei Kindern verkürzt werden, zu denen niemals ein Naheverhältnis bestanden hat. Seit 1. Jänner 2017 kann jedoch der Pflichtteil auch dann auf die Hälfte gemindert werden, wenn zwischen dem Verstorbenen und dem Pflichtteilsberechtigten über einen längeren Zeitraum (mindestens zwei Jahrzehnte) vor dem Tod des Verfügenden ein Verhältnis, wie es zwischen solchen Verwandten üblicherweise besteht, bestanden hat.
Der Verstorbene muss diese Pflichtteilsminderung wie zuvor zu seinen Lebzeiten testamentarisch angeordnet haben. Der Pflichtteilsanspruch kann allerdings nicht gemindert werden, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten das Recht auf persönlichen Verkehr mit dem Pflichtteilsberechtigten grundlos abgelehnt hat.

In der Praxis betraf diese Bestimmung nur Kinder, wenn nie ein elternähnliches Verhältnis zwischen dem oder der Verstorbenen bestanden hat. Lebten also der oder die Verstorbene zumindest eine Zeit lang in Hausgemeinschaft und wurde der Kontakt nachher abgebrochen, dann wurde die Reduzierung auf die Hälfte von der Rechtsprechung verneint.

Pflichtteilsstundung auf fünf Jahre: Vier Prozent Zinsen

Ebenfalls neu: Durch die Erbrechtsreform soll beispielsweise eine Erleichterung bei Bestehen von Familienunternehmen oder in Fällen, in denen Erben auf das Wohnhaus angewiesen sind, geschaffen werden. Seit 1. Jänner 2017 kann auf letztwillige Anordnung des Verstorbenen der Pflichtteil für die Dauer von fünf Jahren gestundet werden. In besonderen Fällen kann der Zeitraum durch das Gericht auf maximal zehn Jahre verlängert werden.

Erweiterung der Enterbungsgründe

Bis Ende letzten Jahres war der Entzug des Pflichtteils, umgangssprachlich oft als „Enterbung“ bezeichnet, möglich, wenn der Erbe den Verstorbenen zu Lebzeiten im Notstand hilflos gelassen hat oder eine strafbare Handlung ihm oder ihr gegenüber begangen hatte, die mit mindestens einem Jahr Haft als Strafdrohung geahndet wird.

Seit 1. Jänner 2017 sind auch Straftaten gegen nahe Angehörige des Verstorbenen relevant, sofern sie ebenfalls mit mindestens einem Jahr Haft geahndet werden. Eine Bestimmung wurde jedoch gestrichen, und zwar der Enterbungsgrund wegen "der beharrlichen Führung einer gegen die öffentliche Sittlichkeit anstößigen Lebensart“. Diese Bestimmung war auch schon in den vergangenen Jahrzehnten als Relikt aus einer anderen Zeit anzusehen. Im 19. Jahrhundert beispielsweise war damit ein Kind gemeint, das unverheiratet mit einem Partner zusammengelebt hat.

Lebensgefährten bekommen mehr Rechte

Seit 1. Jänner 2017 kommt Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten ein außerordentliches Erbrecht zu. Gibt es keine gesetzlichen oder testamentarische Erben, geht das Vermögen an die Lebensgefährtin bzw. an den Lebensgefährten. Voraussetzung dafür ist ein gemeinsamer Haushalt, der über mindestens drei Jahre gemeinsam geführt wurde. Zudem darf die verstorbene Person zum Todeszeitpunkt nicht verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gewesen sein.

Eine weitere wichtige Bestimmung wurde eingeführt nämlich, dass die Lebensgefährtin bzw. der Lebensgefährte weiter in der Wohnung des Verstorbenen wohnen und den bisher gemeinsam genutzten Hausrat nützen darf und zwar auf Dauer eines Jahres.

Diese Frist hat auf den Antritt des Erbes durch den Erben keine Auswirkung. So geht beispielsweise eine Wohnung mit Abschluss des Verlassenschaftsverfahrens an einen Erben. Der Lebensgefährte des Verstorbenen behält jedoch für ein Jahr das Wohnrecht gerechnet ab Sterbedatum.

Neue Formvorschriften für Testamente

Ein handgeschriebenes Testament ist weiterhin gültig. Wer seinen letzten Willen jedoch fremdhändig verfasst (Computer, Schreibmaschine oder einen Dritten) muss seit 1. Jänner 2017 erweiterte Formvorschriften einhalten. Die Identität der Zeugen (Name, Geburtsdatum, Adresse) muss im Testament enthalten und der sogenannte „Zeugenzusatz“ eigenhändig geschrieben sein. Zudem muss das Testament einen handschriftlichen Zusatz des Verfügenden enthalten, in dem festgehalten wird, dass die Urkunde den letzten Willen enthält.

UN-Behindertenkonvention

Die gegenwärtige formale Beschränkung der Testierfähigkeit von Personen unter Sachwalterschaft widerspricht der UN-Behindertenkonvention. Sie wurde mit dem Erbrechts-Änderungsgesetz ersatzlos gestrichen.

Automatische Aufhebung von Testamenten durch Scheidung

Künftig werden Testamente zugunsten des früheren Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners automatisch aufgehoben, wenn die Ehe geschieden bzw. eingetragene Partnerschaft aufgelöst wird.

Pflegevermächtnis

Erstmals werden Pflegeleistungen durch nahe Angehörige berücksichtigt. Ihnen gebührt ein gesetzliches Vermächtnis, wenn die Pflege an dem Verstorbenen in den letzten drei Jahren vor dessen Tod mindestens sechs Monate in nicht bloß geringfügigem Ausmaß (in der Regel durchschnittlich mehr als 20 Stunden im Monat) erbracht wurde. Weitere Voraussetzung: die Pflege muss unentgeltlich durchgeführt worden sein.

„Vorausempfänge“: Wichtige Neuerungen bei Schenkungen

Ein wesentlicher Punkt des neuen Gesetzes ist die Pflichtteilsberechnung. Die unterschiedlichen Regelungen bei Berechnungen für Schenkungen, Vorempfänge und Vorschüsse werden vereinheitlicht. Künftig wird zwischen Anrechnung und Hinzurechnung unterschieden. Durch die Anrechnung der Zuwendungen vermindert sich der jeweilige Pflichtteil jener Person, die davon profitiert hat.

Die Hinzu- und Anrechnungspflicht hängt weiterhin davon ab, ob die Zuwendung an eine pflichtteilsberechtigte Person oder an eine andere Person erfolgt ist. Zuwendungen an pflichtteilsberechtigte Personen werden unbefristet hinzu- und angerechnet. Zuwendungen an nicht pflichtteilsberechtigte Personen nur dann, wenn die Zuwendung innerhalb von zwei Jahren vor dem Tod des Verstorbenen wirklich gemacht wurde. Schenkungen sind künftig zum Schenkungszeitpunkt zu bewerten: Wobei anschließend eine Aufwertung gemäß Verbraucherpreisindex auf den Todeszeitpunkt vorzunehmen ist.

Unentgeltliche Leistungen gelten künftig als Erbe

Künftig gilt jede unentgeltliche Leistung, die der Verstorbene zu Lebzeiten gegenüber Pflichtteilsberechtigten oder Dritten erbracht hat, als anrechenbare Schenkung.
Die unentgeltliche Leistung wird auf Verlangen eines Pflichtteilsberechtigten rechnerisch dem Nachlass hinzu addiert und davon der (erhöhte) Pflichtteil berechnet. Ist der oder die Beschenkte selbst pflichtteilsberechtigt, dann ist der Wert der Schenkung daran anschließend von seinem Pflichtteil abzuziehen.

Vor allem die Beweisbarkeit erbrachter Leistungen sei es beim Pflegevermächtnis oder bei Vorausempfängen wird wohl die größte Streitfrage in Zukunft sein.

Handwerkerbonus:
letztmalig 2017?!

März 2017 / Der Handwerkerbonus wurde 2014 eingeführt um die Wirtschaft anzukurbeln und insbesondere das mittelständische Gewerbe zu unterstützen. Private konnten für Renovierungsarbeiten bis zu € 600,- im Nachhinein die Förderung abholen.



Das erfolgreiche Modell wurde Jahr für Jahr verlängert. Die Evaluierung ergab nun, dass – trotz Mitnahmeeffekte – alle davon profitierten: die Letztverbraucher, das Handwerk und auch die Finanz (da viele dieser Arbeiten sonst im Pfusch erledigt worden wären).

Die Ankündigung Minister Schellings, den Bonus letztmalig zu verlängern, begründet sich auf die Voraussetzung im Gesetz, dass das Wirtschaftswachstum unter 1,5% liegen müsse. Die derzeitigen Prognosen, diese zu überschreiten, müssen aber erst eintreffen!

Aus der Praxis:
Montagefahrzeuge und Sachbezug

März 2017 / Laut Lohnsteuerrichtlinien ist kein Sachbezugswert anzusetzen, „wenn es sich um Spezialfahrzeuge handelt, die aufgrund ihrer Ausstattung eine andere private Nutzung praktisch ausschließen (u.a. Montagefahrzeug mit eingebauter Werkbank)“.



Trotzdem kommt es immer wieder zu Diskussionen mit den Prüfern, z.B. wo denn das Fahrtenbuch sei und ob nicht doch ein Sachbezug hinzuzurechnen wäre.

Unser Tipp (der solche Diskussionen schon erfolgreich beendet hat):

Ein Foto des mit Material und Werkzeugen vollgestopften Montagefahrzeuges anfertigen und zu den Lohnunterlagen geben.

Neue Serie – wenn Sie wollen!
Bürokratie life

März 2017 / Das Wort Bürokratie (umgangssprachlich, eigentlich „Bürokratismus“) besteht aus den Silben „Büro“ stellvertretend für Verwaltung und „kratós“ aus dem Griechischen „Gewalt“, „Macht“, „Herrschaft“! Bürokratie stellt also die Vorschrift über den Menschen.



Beispiele wo Gewerbebehörden einem Intim-Waxing-Studio eine Auslage im Behandlungszimmer vorschreiben oder Fußböden, die in einem Kaffee dem einen Inspektor zu glatt waren (Rutschgefahr) und nach Erfüllung der Auflage dem nächsten nicht glatt genug um ihn hygienisch reinigen zu können, sind nur die Spitze des Eisberges. Doch die Wirtschaft beginnt sich zu wehren und mit konkreten Fällen an die Öffentlichkeit zu gehen. Ab Mai soll nun eine Ombudsstelle zur Lösung/Vermittlung in solchen Fällen eingerichtet werden.

Haben auch Sie schon konkrete Begegnungen mit dem Amtsschimmel gehabt? Mailen Sie uns diese, die spannendsten, lustigsten oder traurigsten veröffentlichen wir hier in der nächsten Ausgabe!

Vermietung: Alles anders ab 2016
Änderungen zu Abschreibung(sdauer) im Bereich Vermietung von Privatvermögen!

November 2016 / Ab den Steuererklärungen 2016 sind die Änderungen durch die Steuerreform 2015/ 2016 zu beachten, die im Bereich der Vermietung von privaten Grundstücken erhebliche Änderungen gebracht haben.



Abschreibung des Gebäudes selbst
Bisher ist man im Allgemeinen davon ausgegangen, dass bei einem Gesamtkaufpreis für Grundstück und Gebäude eine Aufteilung 20% Grund und 80% Gebäude vorgenommen werden kann, man also 80% des Kaufpreises abschreiben darf. Dies wird ab 01.01.2016 grundsätzlich geändert, es wird eine Aufteilung von 40% Grund und 60% Gebäude als gegeben angenommen. Sollten die tatsächlichen Verhältnisse abweichen, muss man dies nachweisen, z.B. durch ein Gutachten. Es lassen sich hier nur schwer allgemein gültige Aussagen treffen, deshalb ersuchen wir Sie, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Jedenfalls ist die geänderte Abschreibungsbasis ab 01.01.2016 anzuwenden. Die Gebäudeabschreibung bleibt wenigstens mit 1,5% unverändert.

Abschreibung von Instandsetzungs-/Instandhaltungssaufwendungen für Wohngebäude
Instandsetzungsaufwand ist Aufwand, der den Nutzwert des Gebäudes wesentlich erhöht oder die Nutzungsdauer wesentlich verlängert. Bei einem Instandsetzungsaufwand handelt es sich nicht um Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Instandsetzungsaufwand liegt vor, wenn wesentliche Teile des Gebäudes ausgetauscht und modernisiert werden. Durch das Steuerreformgesetz 2015/16 ist der Verteilungszeitraum für Instandsetzungsaufwendungen auf 15 Jahre verlängert worden. Dies gilt für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie für an Dritte vermietete betriebliche Wohngebäude. Auch für bereits laufende Zehntelabsetzungen für Instandsetzungsaufwendungen verlängert sich ab der Veranlagung 2016 der Vertei- lungszeitraum auf 15 Jahre.

Vom Instandsetzungsaufwand zu unterscheiden ist der Instandhaltungsaufwand.
Instandhaltungsaufwendungen sind zum Beispiel laufende Wartungsarbeiten, nicht jährlich anfallende Reparaturen, Ausmalen, Anfärben der Fassade ohne Erneuerung des Außenverputzes oder Erneuerung von Gebäudeteilen infolge höherer Gewalt (z.B. Sturm- oder Hagelschäden).

lnstandhaltungsaufwendungen sind grundsätzlich als Sofortaufwand in den Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend zu machen. Bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung (§ 28 EStG - Wohngebäude im Privatvermögen) können nicht regelmäßig jährlich anfallende Instandhaltungsaufwendungen bis zum 31.12.2015 freiwillig auf 10 Jahre verteilt angesetzt werden. Ab dem 1.1.2016 anfallende Instandhaltungsaufwendungen können freiwillig auf 15 Jahre verteilt werden. Erfreulicherweise bleibt es bei im Jahr 2016 bereits freiwillig laufenden Zehntelabsetzungen für Instandhaltungsarbeiten bei dem Verteilungszeitraum von zehn Jahren.

Achtung Fruchtgenussberechtigte!
Die Abschreibung (des Gebäudes und des Herstellungsaufwandes, der über 1/15 abgeschrieben wurde) ist dem Fruchtgenussbelasteten einmal im Jahr durch Überweisung des Gesamtbetrages zu ersetzen, damit der Fruchtgenussberechtigte die Abschreibung als Werbungskosten geltend machen kann. Außerdem ist ein schriftlicher Vertrag verpflichtend.
Kontaktieren Sie uns diesbezüglich, auch hier ist Beratung im Einzelfall notwendig.

Gutscheine in der Registrierkasse!

Juni 2016 / Wie sind Gutscheine im Zusammenhang mit der Registrierkasse zu behandeln?

Der Verkauf von sogenannten Wertgutscheinen,

Wie sind Gutscheine im Zusammenhang mit der Registrierkasse zu behandeln?

Der Verkauf von sogenannten Wertgutscheinen, die Ware ist also noch nicht konkretisiert, stellt keinen steuerbaren Vorgang dar. Es wird dadurch auch noch keine Steuer ausgelöst. Zweckmäßigerweise wird der Gutscheinverkauf aber in der Registrierkasse als "0% Umsatz" in der Kategorie Bonverkauf erfasst werden. Damit ist sowohl der Einzelaufzeichnungspflicht als auch der Pflicht eine lückenlose und sicherheitstechnisch einwandfreie Aufzeichnung aller Bareingänge zu haben, genüge getan.

Die Einlösung des Gutscheines führt dann zu einem Barumsatz, und es muss auch ein Beleg erstellt werden. Die Registrierkassen haben dazu eine eigene Kategorie.